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Verdauungsproblem Verstopfung: Woher sie kommt, was dagegen hilft

Verdauungsprobleme – eigentlich kennt sie jeder. Verstopfung bzw. Darmträgheit (Obstipation) zählt zu den häufigsten Gesundheitsbeschwerden überhaupt. Über zehn Prozent der Menschen mittleren Alters klagen über chronische Probleme beim Stuhlgang, die sich mit zunehmendem Alter verschärfen. Mit über 60 Prozent sind Frauen verhältnismäßig häufig betroffen. Schränkt Verstopfung auch Ihre Lebensqualität ein? Leiden Sie unter erschwerter, nur unvollständiger oder zu seltener Darmentleerung? Zeit, mehr über Obstipation zu wissen.

Doch wann spricht man von Verstopfung? Mediziner nennen als Richtwert dreimal pro Woche (oder häufiger). Seltenerer Stuhlgang über einen Zeitraum von drei Monaten zeichnet sich durch extrem festen Stuhl aus, wobei die Entleerung nur unter starkem Pressdruck gelingt. Am Darmausgang wie blockiert, entleert man nur noch teilweise – und greift zu Abführmitteln. Womit sich ein Teufelskreis schließt.

Die Gründe für Verstopfung

Wie kommt es zu Verdauungsstörungen? Unseren sensiblen Darm umhüllen über 100 Millionen Nervenzellen. Trinken oder essen wir das Falsche, reagiert er sofort, auch auf seelische Konflikte: Dauerärger führt nicht selten zur Dauerverstopfung.

Unser acht Meter langer Darm besteht aus Dünndarm und Dickdarm, wiederum aus Blinddarm, Grimmdarm (Kolon) und Enddarm zusammengesetzt. Der Enddarm besteht aus Mastdarm (Rektum) und dem Darmauslass mit Schließmuskel (After/Analkanal). Während sich der innere Schließmuskel nicht willentlich steuern lässt, können wir den äußeren bewusst kontrollieren.

Verstopfung meint, die Kolonpassage, die normalerweise mittels Pump- und Durchwalkbewegungen (Peristaltik) der Darmmuskulatur realisiert wird, ist behindert. Die Ursachen sind vielfältig: Von ungesunden Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten bis zu Nebenwirkungen von Medikamenten wie Schmerzmitteln, Psychopharmaka oder solchen gegen Morbus Parkinson oder Bluthochdruck: Nicht ohne Grund werden solche Mittel oft zusammen mit Abführmitteln verschrieben oder enthalten bereits Stoffe, die der Obstipation entgegenwirken.

Des Weiteren können Erkrankungen des Nervensystems oder Probleme des Zucker- und Mineralstoffwechsels wie bei Diabetes zugrunde liegen, die Magen und Darm angreifen. Auch Bettlägerigkeit verschlimmert bestehende Verstopfung, ebenso hormonelle Veränderungen durch eine Unterfunktion der Schilddrüse oder Schwangerschaft. Daneben existiert die funktionelle Verstopfung ohne deutlichen Grund: Hier ist der Stuhltransport im Darm schlicht verzögert.

Immer wichtig: Eine gesunde Darmwand. Ziel jeder Behandlung: Die Darmtätigkeit anregen, die Konsistenz des Stuhls optimieren, die Entleerung leichter machen – nicht zwingend auf medikamentöser Basis. Wichtiger scheint, auf Ernährung und körperliche Aktivität zu achten, sich genug Zeit für den Toilettengang zu nehmen und den Stuhldrang nicht zu lange und wiederholt zu unterdrücken.

Reiseverstopfung versus funktionelle Obstipation

Fast immer harmlos: Die Reiseverstopfung. Sie sind am Ferienziel angekommen, aber Ihr Darm anscheinend noch nicht. Nach ein paar Tagen hat sich Ihr Darm an den neuen Rhythmus und die unvertraute Ernährung gewöhnt. Hitze, zu wenig Flüssigkeit oder Zeitverschiebung – hier mischen zahlreiche Faktoren mit, bis zur mangelnden Hygiene auf dem stillen Örtchen.

Die funktionelle (habituelle) Obstipation dagegen beruht auf Lebens- und Arbeitsgewohnheiten, die geregelter Darmtätigkeit kaum förderlich sind – nicht nur bei Schichtarbeitern: Wo man sich ballaststoffarm ernährt und kaum trinkt, ist das Stuhlvolumen gering. Die kaum gedehnte Darmwand erhält so wenig Anreiz, den Darminhalt vorwärts zu bewegen. Also sinkt die Entleerungsrate und die Darmwand nimmt Flüssigkeit auf – aus der stehenden Füllung, womit sich der Kreis schließt.

Chronische Verstopfung – Bild mit vielen Facetten

Irgendwann wird die Verstopfung zum Dauerproblem, sprich chronisch. Doch nicht immer sind Lebens- und Arbeitsgewohnheiten unserer schnelllebigen Zeit verantwortlich. Lassen Sie die Ursachen abklären - nur so ist eine individualisierte Behandlung möglich, die wirklich und auf Dauer hilft.

Oder steckt Schlimmeres dahinter? Während der Grund für akute Verstopfung in funktioneller Darmlähmung oder einem mechanischen Darmverschluss liegen kann, ist die Angst, dass chronische Verstopfung durch blockierende Kotballen (Koprostase) zur vollständigen Stuhlverhaltung führt, meist unbegründet, wenn Sie ansonsten gesund sind, ebenso wie Ängste vor der inneren Vergiftung des Organismus.

Dennoch sollte jede längerwährende Veränderung der Stuhlgewohnheiten durch Fachärzte wie Gastroenterologen (Magen-Darm-Erkrankungen) abgeklärt werden. Im Rahmen der Diagnosestellung wird Ihr Arzt Sie z. B. fragen, wie lange Sie schon Verstopfung haben – auch, um eine angeborene Störung der Darmtätigkeit auszuschließen. Oder nach Auffälligkeiten wie sich ändernder Stuhlbeschaffenheit und Stuhlfrequenz, Schleim oder Blut im Stuhl oder am Ausgang.

Leiden Sie unter Bauchschmerzen, Blähungen, Fieber oder Infektionskrankheiten, Gewichtsabnahme oder –zunahme? Ist Ihr Appetit normal? Wie steht es mit Erkrankungen von Rücken oder Wirbelsäule, Gallenblase oder anderer Organe des Oberbauchs? Lassen Sie auch krankhafte Veränderungen der Enddarmregion von Abszessen bis zu Mastdarm- und Afterkrebs ausschließen – und gehen Sie rechtzeitig zum Arzt. Bei der Untersuchung, der rektal-digitalen Austastung, tastet der Facharzt den Enddarm ab oder bedient sich apparativer Diagnostik inklusive Laboranalyse.

Helfen Sie Ihrem Arzt, indem Sie ein Tagebuch Ihres Beschwerdeverlaufs führen, das auch zeigt, wie die jeweilige Therapie anschlägt: Je nach Ursache wird man Ihnen operative oder medikamentöse Therapien und Entleerungshilfen bis zu psychologischen Verfahren verordnen.

Medikamente gegen Verdauungsprobleme?

Versprechen schnelle Erleichterung: Rezeptfreie Abführmittel, die eine einmalige Notlösung bleiben sollten. Alles, was Sie erreichen, ist ein weniger und weniger für Füllungsreize ansprechbarer Darm und Kaliummangel – und erneute Verstopfung, die so genannte Pseudoobstipation, durch Abführmittelmissbrauch ausgelöst. Ein Prokinetikum hingegen regt die Darmwand-Muskulatur zu Kontraktionen an – jetzt gibt sie Impulse für den Weitertransport.

Bewegung und ballaststoffreiche Ernährung helfen bei Darmträgheit

Regelmäßige Bewegung beugt nachweislich Krebserkrankungen des Darms vor. Stellen Sie gleichzeitig Ihre Ernährung auf Ballaststoffreiches um - 30 Gramm davon täglich sind normal – und in fünf Portionen frisches Gemüse oder Obst, auch in Vollkornprodukten und Trockenfrüchten enthalten. Essen Sie regelmäßig und ausgewogen – und genießen Sie Ihr Essen mit Muße. Die Darmtätigkeit setzt ohnehin erst 30 Minuten nach dem Essen ein: Dieser so genannte gastrokolische Reflex lässt sich nicht beschleunigen.

Daneben steigern ballaststoffhaltige Zubereitungen als spezielle Füll- und Quellmittel wie Lein- oder Plantagosamen den Faseranteil im Essen. Allerdings muss ausreichend Flüssigkeit zugeführt werden - und Ihr Arzt sollte dem zustimmen. Apropos Flüssigkeit: Trinken Sie zwei bis drei Liter pro Tag – am besten Wasser und verdünnte Säfte. Meiden Sie Koffeinreiches: Kaffee regt zwar die Darmtätigkeit an, doch entwässert zu stark, ebenso wie Alkohol. Oder Sie gönnen Ihrem Darm eine Pause – und fasten.

Hausmittel gegen Verstopfung

Verstopfung, oft von Blähungen und Völlegefühl begleitet: Ein Teelöffel Heilerde, für die innere Anwendung und in 1/8 Liter Wasser verrührt, saugt Fette auf. Über Nacht eingeweichte Trockenpflaumen oder –feigen, bringen, gut gekaut, den Darm in Schwung. Auch ein Glas Sauerkrautsaft vor dem Frühstück regt an; Sauerkraut selbst ist ein echter Darmputzer. Oder Sie rühren zerstoßenen Flohsamen (aus der Apotheke) oder Gewürznelken in heißes Wasser ein. Nach einer knappen Stunde geben Sie etwas Zitrone und Honig für den Geschmack hinzu.

Verdauungsstörungen oft psychosomatisch: Beruhigen Sie Ihr vegetatives Nervensystem, indem Sie Ihren Bauchnabel im Uhrzeigersinn mit der flachen Hand umkreisen und den Darm anregen. Wie wäre es mit einer chinesischen Klopfmassage, die Punkte beidseitig der Wirbelsäule im unteren Rückenbereich anspricht? Einfach die Hände zur Faust ballen und mit den Knöcheln von der Lendenwirbelsäule zum Kreuzbein hinab klopfen.

Obstipation - eine ganzheitliche Problematik

Nehmen Sie sich Zeit, auf Ihren Körper und Ihre Seele zu achten: Wenigstens 10 Minuten sollte Zeit für den Stuhlgang sein. Entsprechend liebt Ihre Darmwand neben ausgiebiger Bewegung auch die Entspannung und genügend Schlaf – all das ist gut für die Psyche und das funktionierende Zusammenspiel von Darm, Nerven und Gehirn.

Ist die Seele erkrankt - z. B. bei einer Depression - lähmt dies auch den Darm: Von Entleerungsstörungen im Enddarmbereich bis zu Störungen der Schließmuskulatur mit blockiertem Darmausgang. Hier bewirkt die Bauchpresse ein übersteigertes Anspannen: Der Afterbereich wird nicht normal gedehnt und die Darmentleerung in Gang gesetzt; der Stuhl ist zwar weich, aber das Ganze dennoch schmerzhaft. Verfahren wie etwa Biofeedback helfen, Verspannungen abzubauen – und sich entspannt von Verstopfungsqualen zu verabschieden.

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